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Über die Liebe zu Frauen, Büchern und Kuba
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Auf "Der Nebel von gestern" von Leonardo Padura wurde ich durch eine interessante Rezension in einer Wochenzeitschrift aufmerksam. Der Kauf und die Lektüre dieses Buches haben sich gelohnt - es gehört für mich zu den interessantesten der letzten Jahre.
Vordergründig ist "Der Nebel von gestern" eine Recherche-Story im Krimigewand. Mario Conde, ein Buchhändler und Expolizist, findet in einer Privatbibliothek ein Foto einer Nachtklubsängerin aus den 1950er-Jahren, das ihn auf geradezu obsessive Weise fasziniert. Er begibt sich auf die Suche nach ihr, da sie von der Bildfläche spurlos verschwunden scheint. Der Fall zieht aber dann schnell Kreise bis in die Gegenwart herauf, und am Ende ist sich Conde nicht sicher, ob er die tragischen Geschichten nicht im Nebel von gestern hätte belassen sollen.
Der Roman ist aber auch und vor allem eine Liebeserklärung an das Land Kuba. Die Gesellschaft wird in all ihrer bitteren Armut, Verelendung und Kriminalität gezeigt, aber auch mit ihrer Kraft und Lebensfreude. Man liest über verarmte und neue Reiche im sozialistischen Regime, über Mafiosi und Prostituierte, über Hunger und Mangel und über Männerfreundschaften im Zeichen des machismo. Der Autor Leonardo Padura sieht genau hin, lässt aber keinen Zweifel daran, dass für ihn bzw. für seinen Protagonisten Mario Conde Kuba trotz allem das lebenswerteste Land der Welt ist. Ja, Conde bezeichnet sich selbst als geradezu glücklich, denn er war nicht "gezwungen gewesen, die letzten Grenzen der Verkommenheit zu überschreiten, um zu überleben." Für all das steht Padura die Fabulierkunst der lateinamerikanischen Schriftsteller zur Verfügung, die neben ein paar wenigen Deftigkeiten viel Raum für Reflexion und Savoir-vivre lässt.
Und letztlich ist das Buch eine ganz große Liebeserklärung an die Form des Buches selbst, an das Lesen und die Menschen, die Bücher zu schätzen wissen und ihren Wert (ideell wie materiell) kennen. Insofern erinnert mich "Der Nebel von gestern" ein wenig an "Der Schatten des Windes" von Zafón; auch hier wird in einer üppig erzählten Geschichte nebenbei der Wert der Literatur thematisiert. "Der Nebel von gestern" wird wohl nicht so ein Bestseller werden, aber es ist dem Buch eine möglichst große Leserschaft zu wünschen. Verdient hätte es sich das.
Eine Rezension von Wolfgang Stroebl > Österreich
vom 25. Dezember 2008 |